Interessantes Zeit-Interview mit dem Psychologen Rüdiger Hossiep:
Hossiep: Wir wissen zwar, dass ein niedriges Gehalt Menschen demotiviert. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass Sie besonders motiviert sind, wenn Sie hoch bezahlt sind. Motiviert sind Sie dann, wenn Ihnen Anerkennung zuteil wird, und zwar nicht primär pekuniäre. Interessante Aufgaben und ein vernünftiges Arbeitsklima, in dem Sie sich verwirklichen können. Wenn Sie Menschen vor allem mit Geld motivieren, müssen Sie ihnen immer mehr zahlen. So kommen die Riesenboni auch zustande.
ZEIT: Warum machen dann alle mit?
Hossiep: Die Beschäftigten sitzen einem psychologischen Irrtum auf. Rund 80 Prozent meinen, sie würden von einem leistungsorientierten Bezahlungssystem nachhaltig profitieren.
ZEIT: Also doch ein starker Antrieb.
Hossiep: Ja, aber einer von außen. Wenn die innere Motivation einmal kaputt gemacht wurde, lässt sich das nur sehr schwer umkehren. Sie können aus dem Aquarium eine Fischsuppe machen, aber eben nicht umgekehrt. Viele, die sich einen Vorteil erhoffen, irren gewaltig. Sowenig wie 80 Prozent der Männer weit überdurchschnittlich gute Autofahrer und Liebhaber sein können, sind 80 Prozent der Mitarbeiter besondere Leistungsträger.
ZEIT: Wie sollte man denn Mitarbeiter motivieren, wenn nicht durch Boni?
Hossiep: Mitarbeiter wollen zwei Dinge von ihrem Vorgesetzten wissen. Erstens: Traut er mir etwas zu? Was hält er von mir? Zweitens: Sagt er mir die Wahrheit? Kann ich ihm glauben? Wenn ein Mitarbeiter beides nicht bejahen kann, dann sind Führung und Motivation kaum möglich.
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